Raubkopierer - Verbrecher oder Helden?

Raubkopierer sehen sich selbst nicht als Verbrecher. Was sie tun, machen doch alle. Warum für ein überteuertes Produkt viel Geld bezahlen, mit dem sich ein reicher Konzern die ohnehin schon prall gefüllten Taschen weiter vollstopft? - Nein. - Raubkopierer, oder besser Software-Piraten, sind doch keine Verbrecher! Sie sind moderne Freibeuter, die sich gegen die Mächtigen nur zur Wehr setzen. Ein Raubkopierer ist doch eher ein moderner Robin Hood.

Falsch!

Wer raubkopierte Software nutzt oder verbreitet, schadet sich und anderen! Nur die großen mächtigen Konzerne profitieren wirklich davon. - Wie das?

Raubkopien schwächen den Markt. Raubkopien stehlen nicht den Milliardenverdienern das Geld, das sie mit ihren überteuerten Produkten eingenommen hätten, sondern jenen, die versuchen, sich mit besseren und günstigeren Angeboten am Markt zu behaupten. Denn man kann Software nicht isoliert betrachten, man muss die Zusammenhänge berücksichtigen.

Mit Hilfe eines Beispiels lässt sich das leicht nachvollziehen. Sie haben einen Marktführer, der mit seinem Programm schon vor langer Zeit den Markt erobert hat. Das Programm ist sehr teuer, zu teuer für die Meisten, die den Leistungsumfang des Programms ohnehin nicht wirklich ausnutzen. Eine kleine Firma hat das erkannt und entwickelt ihr eigenes Produkt, das auf die meist überflüssigen Funktionen verzichtet und gleichzeitig das, was jeder braucht, besser macht. Zudem bietet die kleine Firma ihr Produkt zu einem wesentlich besseren Preis als der Marktführer an.

Eigentlich sollten viele Kunden nun glücklich sein, zu einem fairen Preis endlich das zu bekommen, was sie wirklich brauchen. Der Firma müsste es gut gehen. Sie sollte ihr Geschäft bald ausbauen und noch mehr gute und günstige Software produzieren können. Der Marktführer müsste die Preise senken oder sein Produkt weiter verbessern, um sich gegen die neue Konkurrenz zu behaupten.

Die Realität sieht aber anders aus. Die Kunden bleiben aus. Die meisten, denen das Produkt des Marktführers zu teuer war, haben sich einfach eine Raubkopie besorgt. Außerdem ist das marktführende Programm so sehr verbreitet, dass es dazu jede Menge Zubehör gibt. Alle Hersteller von Hard- und Software bieten ihre Produkte mit einer Schnittstelle zu dieser überteuerten Software an. Das bringt den Kunden einen Mehrwert, den sie mit dem Produkt der kleinen Firma nicht bekommen. Die wenigen ehrlichen Kunden der kleinen Firma haben zwar ein gutes Programm zu fairen Konditionen erworben, bekommen aber nicht das Zubehör, das sie sich wünschen.

Aber nicht nur die kleine Firma und ihre Kunden sind angeschmiert, auch die ehrlichen Kunden des Marktführers haben negative Konsequenzen zu tragen. Weil niemand die Chance bekommt, die Vormachtstellung der großen Firma anzufechten, müssen sie weiterhin alles annehmen, was ihnen von dieser einen Firma angeboten wird, denn alles was sie an Dokumenten mit der Software erstellt haben, lässt sich nur mit der überteuerten Software nutzen, die sie schon seit Jahren bereitwillig kaufen. Ein herstellerübergreifendes Datenformat gibt es nicht, jedenfalls keines, das von der Software des Marktführers unterstützt wird. Alle anderen Programme, die die Kunden nutzen, sind auf die dominante Software ausgerichtet. Sie würden mit einem anderen Programm nicht funktionieren.

Der Kunde verliert die Möglichkeit, frei zu entscheiden. Er ist nicht mehr König Kunde, sondern nur noch der treue Zahlsklave eines anderen. Während sich die Raubkopierer, verkleidet als Robin Hood, zur Marionette der Mächtigen machen.

MFG - Chris





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